Blackout in Berlin – warum Sicherheitstechnik bei Stromausfällen entscheidend ist
Der Blackout in Berlin vor einigen Wochen hat vielen Unternehmen, Betreibern und Entscheidern vor Augen geführt, dass großflächige Stromausfälle längst kein theoretisches Szenario mehr sind. Ob durch technische Defekte, menschliches Versagen oder gezielte Angriffe – die Auswirkungen sind massiv.
Doch Berlin ist kein Einzelfall: In der Ukraine griffen 2015 und 2016 Hacker die Energieversorgung an und führten zu massiven Stromausfällen in mehreren Regionen. Auch die USA erwischte es im Jahr 2022 und waren Ziel von Angriffen auf die Stromversorgung.
Es zeigt, dass die Bedrohung weltweit vorliegt und Stromnetze ein attraktives Ziel für Cyberkriminalität ist. Besonders vulnerable Systeme wie Sicherheitstechnik und kritische Infrastrukturen sind auf eine permanente Verfügbarkeit angewiesen.
Sicherheitstechnik im Ausnahmezustand
Sicherheitssysteme gelten oft als DIE letzte Verteidigungslinie. Doch was passiert, wenn genau diese Systeme selbst vom Stromausfall betroffen sind?
Ausfall von Einbruchmeldeanlagen, sofern keine oder unzureichende Notstromversorgung vorhanden ist.
Eingeschränkte Funktion von Videoüberwachungssystemen (keine Aufzeichnungen mehr, kein Live-Zugriff und somit wenig Nachvollziehbarkeit)
Zutrittskontrollsysteme fallen aus oder wechseln in unsichere Betriebszustände.
Kommunikationsprobleme zwischen Anlagen, Leitstellen und Servicepartnern.
Überlastung von Notstromsystemen, wenn diese nicht auf längere Laufzeiten ausgelegt sind.
Bedeutet für alle Unternehmen und Organisationen bereit zu sein für den Ernstfall. Denn ein Blackout offenbart sehr schnell, ob Sicherheitskonzepte nur „auf dem Papier“ funktionieren – oder auch unter realen Krisenbedingungen.
Kritische Infrastrukturen besonders im Fokus
Noch wichtiger sind die Vorkehrungen für Betreiber kritischer Infrastrukturen (KRITIS) , ohne die Stromausfälle schnell besonders brisant werden (können). Krankenhäuser, Leitstellen, Rechenzentren, Verkehrsbetriebe oder Energieversorger müssen auch im Ausnahmezustand handlungsfähig bleiben.
Mögliche Folgen für KRITIS-Betreiber:
- Gefährdung von Menschenleben durch Ausfall sicherheitsrelevanter Systeme
- Verlust von Überwachung und Kontrolle in sensiblen Bereichen
- Kettenreaktionen: Ein Ausfall zieht weitere Systeme nach sich
- Reputationsschäden und rechtliche Konsequenzen
- Erhöhtes Risiko gezielter Angriffe während der Ausfallphase
Gerade gezielte Angriffe nutzen häufig genau diese Schwachstellen: den Moment der Unsicherheit und eingeschränkten Reaktionsfähigkeit.
Ganzheitliches Sicherheitskonzept extrem wichtig
Viele Anlagen verfügen zwar über eine Notstromversorgung – doch in der Praxis zeigt sich oft, dass diese:
- zu kurz dimensioniert ist
- nicht regelmäßig getestet wird
- nur Teilbereiche der Sicherheitstechnik abdeckt
- nicht mit Kommunikationswegen abgestimmt ist
Ein ganzheitliches Sicherheitskonzept berücksichtigt daher nicht nur Batterien oder USVs (= Unterbrechungsfreie Stromversorgung im Gegensatz zur Ersatzstromversorgung, die eine kurze Unterbrechung durch die Umschaltung aufweist), sondern auch Redundanzen, Wartung, klare Zuständigkeiten und Notfallprozesse.
Es gibt mehrere konkrete, praxisnahe Maßnahmen, die Unternehmen gezielt treffen können, um sich gegen Stromausfälle und deren Auswirkungen auf Sicherheitstechnik zu wappnen. Gerade im Hinblick auf NIS2 gibt es für kritische Infrastrukturen keine Ausreden mehr – sie sind in der Pflicht nach Vorgaben der NIS2-Richtlinie zu agieren!!!!!
Redundante Stromversorgung
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Unterbrechungsfreie Stromversorgung (USV): Für kritische Systeme wie Alarmanlagen, Zutrittskontrollen, Server und Notbeleuchtung.
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Notstromaggregate / Diesel- oder Batteriesysteme: Sorgen für längere Versorgung bei flächendeckenden Ausfällen.
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Backup-Stromleitungen: Falls möglich, kann eine zweite Einspeisung von einem anderen Netzbetreiber die Resilienz erhöhen.
Priorisierung kritischer Systeme
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Notfall-Plan erstellen, welche Systeme zuerst Strom erhalten müssen (z. B. Brandmeldeanlagen, Serverräume, Sicherheitssysteme).
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Lastmanagement: Nicht-kritische Verbraucher automatisch abschalten, um Energie für wichtige Systeme zu sparen.
Physische und digitale Sicherheitsmaßnahmen
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Cybersecurity: Ransomware, Malware oder gezielte Angriffe können Blackouts indirekt auslösen. Regelmäßige Updates, Firewalls, Netzwerksegmentierung und Zugriffsmanagement reduzieren das Risiko.
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Schutz der Steuerungssysteme (SCADA/ICS): Kritische Anlagen sollten gegen Manipulation und Fernzugriffe gesichert sein.
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Redundante Sensorik und Alarmleitungen: Falls eine Zentrale ausfällt, sollten Sensoren direkt Notfallsignale senden können.
Notfallplanung & Trainings
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Regelmäßige Blackout-Übungen: Mitarbeiter sollten wissen, wie sie Alarm- und Sicherheitssysteme manuell oder über Backup steuern.
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Checklisten für Stromausfälle: Wer ist zuständig, welche Systeme werden zuerst wieder hochgefahren, welche Sicherheitsprotokolle greifen automatisch?
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Kommunikationswege sichern: Mobile Backup-Systeme, Funk oder Satellitenkommunikation, falls Internet/Telefon ausfallen.
Monitoring & Frühwarnsysteme
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Energie-Monitoring: Systeme überwachen, um frühzeitig Spannungsschwankungen oder Anomalien zu erkennen.
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Remote-Zugriff auf Sicherheitssysteme: Auch bei Stromausfall an Hauptstandorten sollten kritische Anlagen ferngesteuert überprüfbar sein.
Zusammenarbeit mit Versorgern und Behörden
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Notfallkontakte mit Stromversorgern: Priorisierte Wiederherstellung der Versorgung für kritische Infrastruktur.
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Branchen- und Behörden-Netzwerke: Erfahrungsaustausch, Warnmeldungen und abgestimmte Krisenpläne.
Der Blackout als Chance zur Neubewertung
So kritisch ein Blackout auch ist – er bietet die Chance, bestehende Sicherheitskonzepte ehrlich zu hinterfragen:
- Wie lange bleiben unsere Systeme wirklich funktionsfähig?
- Priorisierung vornehmen: Welche Komponenten sind kritisch, welche optional?
- Gibt es klare Abläufe für den Ernstfall?
- Sind Service- und Supportstrukturen erreichbar?
- Initiieren wir regelmäßig Notfallübungen?
Unternehmen, die diese Fragen jetzt für sich beantworten, sind beim nächsten Ereignis klar im Vorteil.
Fazit: Sicherheit braucht Resilienz
Moderne Sicherheitstechnik muss nicht nur intelligent, sondern vor allem resilient sein. Nur wer Stromausfälle, Kommunikationsabbrüche und Krisenszenarien mitdenkt, schützt Menschen, Werte und Prozesse nachhaltig.
Als Partner für Support und Weiterbildung in der Sicherheitstechnik unterstützen wir Unternehmen dabei, genau diese Resilienz aufzubauen – praxisnah, herstellerübergreifend, mit Blick auf reale Einsatzszenarien und im Einklang mit den NIS2- Richtlinien.
WEIL SICHERHEIT FACHWISSEN BRAUCHT.
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